Sikawild (Cervus nippon) stammt aus Ostasien und wird in Deutschland seit dem späten 19. Jahrhundert gehalten und ausgesetzt. Die Bestände sind klein und liegen weit auseinander — unter anderem im Arnsberger Wald, in Schleswig-Holstein, Hessen und im Weserbergland. Wo Sikawild vorkommt, ist es standorttreu und bleibt über Jahre in demselben Gebiet.
Zoologische Zuordnung
Sikawild gehört zur Ordnung der Paarhufer und damit jagdlich zum Schalenwild. Innerhalb der Wiederkäuer zählt es zur Familie der Hirsche und dort zur Unterfamilie der Echthirsche, zusammen mit Rot- und Damwild. Mit dem Rotwild ist es so eng verwandt, dass beide sich kreuzen können; wie fruchtbar die Nachkommen sind, ist umstritten. Für die Hege ist das der Grund, Sikabestände vom Rotwild getrennt zu halten.
Aussehen und Verfärben
Kaum eine heimische Schalenwildart verändert sich zwischen den Jahreszeiten so stark: Das Sommerhaar ist rotbraun mit hellen Flecken, das Winterhaar dunkelbraun bis nahezu schwarz, in dem die Flecken fast verschwinden. Verfärbt wird im Mai und wieder im September und Oktober. Auffällig ist der große weiße Spiegel, den das Stück bei Beunruhigung aufstellen kann, dazu ein dunkler Aalstrich über dem Rücken. Der Hirsch trägt ein Stangengeweih mit in der Regel acht Enden und ohne Krone — Zehn- oder Zwölfender sind seltene Ausnahmen.
Der Jahreszyklus
Der Geweihzyklus läuft ähnlich spät wie beim Damwild: Abgeworfen wird im April und Mai, gefegt im August und September, rechtzeitig zur Brunft im Herbst. Außerhalb der Brunft leben Kahlwild und Kälber in kleinen Familienverbänden, die sich im Winter zu größeren Rudeln zusammenschließen; junge Hirsche ziehen in kleinen Trupps, alte für sich. Sikawild ist ausgesprochen standorttreu und deckungsliebend — es nutzt dichte Verjüngung und Dickungen und ist deshalb schwerer zu beobachten als Dam- oder Rotwild.
Das Gebiss
Das Dauergebiss hat 34 Zähne, ebenso viele wie beim Rotwild und aus demselben Grund: Auch Sikawild trägt Grandeln, die Eckzähne im Oberkiefer. Schneidezähne stehen wie bei allen Wiederkäuern nur im Unterkiefer, oben sitzt die Kauplatte. Als Rauhfutterfresser nimmt Sikawild Gräser, Triebe, Früchte und Rinde auf — Schäden durch Schälen sind der Hauptgrund, warum die Bestände klein gehalten werden.
Die Brunft
Die Brunft zieht sich beim Sikawild über einen ungewöhnlich langen Zeitraum: von Mitte September bis in den Dezember hinein, mit dem Schwerpunkt im Oktober und November. Der Brunftlaut ist unverwechselbar und mit dem Röhren des Rothirschs nicht zu verwechseln — ein schrilles, langgezogenes Pfeifen. Starke Hirsche halten in dieser Zeit ein Rudel Kahlwild zusammen und verteidigen es gegen Nebenbuhler.
Jungtierentwicklung
Eine Eiruhe kennt Sikawild nicht; die Tragzeit liegt bei rund siebeneinhalb bis acht Monaten. Gesetzt wird von Mai bis Juli mit deutlichem Schwerpunkt im Juni, in aller Regel ein Kalb. Es ist anfangs gefleckt, wird die ersten Tage abgelegt und schließt sich dann dem Verband an. Geschlechtsreif wird Sikawild mit etwa 18 Monaten.