Der Rothirsch (Cervus elaphus) ist die größte heimische Schalenwildart und das Wild mit dem größten Raumanspruch. Rotwild lebt in Rudeln, zieht großräumig und ist in weiten Teilen Deutschlands auf ausgewiesene Gebiete beschränkt — beides prägt seine Jagd stärker als bei jeder anderen Art.
Zoologische Zuordnung
Rotwild gehört zur Ordnung der Paarhufer und damit jagdlich zum Schalenwild. Innerhalb der Wiederkäuer zählt es zur Familie der Hirsche. Diese teilt sich in zwei Unterfamilien: Rotwild steht zusammen mit Dam- und Sikawild bei den Echthirschen, das Reh dagegen bei den Trughirschen.
Aussehen und Verfärben
Im Sommer trägt Rotwild ein kurzes, rotbraunes Haarkleid, im Winter ein graubraunes mit dichter Unterwolle; alte Hirsche entwickeln dabei eine ausgeprägte Mähne am Träger. Verfärbt wird zweimal im Jahr: im Mai ins Sommerhaar, im September und Oktober zurück ins Winterhaar, junge Stücke vor alten. Der gelblich-weiße Spiegel ist groß und reicht über die Keulen hinauf; darüber sitzt der Wedel, den das Reh nicht hat. Ein Geweih trägt nur der Hirsch.
Der Jahreszyklus
Das Rotwildjahr lässt sich am Geweih ablesen: Abwurf zwischen Februar und April, danach rund fünf Monate Wachstum im Bast, Fegen im Juli und August. Für beides gilt „alt vor jung“ — der starke Hirsch wirft zuerst ab und fegt zuerst. Auf die Brunft im Herbst folgt der Winter in getrennten Verbänden: Kahlwild in Rudeln unter der Führung eines Alttiers, die Hirsche für sich.
Das Gebiss
Das Dauergebiss des Rotwilds hat 34 Zähne — zwei mehr als beim Reh, weil im Oberkiefer die Eckzähne stehen: die Grandeln, jagdlich seit jeher als Schmuck begehrt. Schneidezähne fehlen im Oberkiefer wie bei allen Wiederkäuern; an ihrer Stelle sitzt eine derbe Kauplatte. Der Zahnwechsel dauert deutlich länger als beim Reh und ist erst nach etwa 28 bis 30 Monaten abgeschlossen; danach bleibt nur der Zahnabschliff zur Altersschätzung.
Die Brunft
Die Brunft des Rotwilds fällt in den September und Oktober und dauert rund vier Wochen. Der Platzhirsch hält ein Brunftrudel zusammen und meldet sich mit dem Röhren oder Orgeln, während Beihirsche am Rand stehen und auf ihre Gelegenheit warten. Auf den Brunftplätzen entstehen Suhlen und Brunftkuhlen. Der Hirsch äst in dieser Zeit kaum und verliert erheblich an Gewicht — er geht geschwächt in den Winter.
Jungtierentwicklung
Eine Eiruhe wie beim Reh kennt Rotwild nicht: Auf die Herbstbrunft folgt unmittelbar die Entwicklung des Kalbes, die Tragzeit beträgt rund 34 Wochen. Gesetzt wird im Mai und Juni, in aller Regel ein Kalb. Es ist anfangs gefleckt und wird in den ersten Tagen abgelegt, schließt sich dann aber rasch mit dem Alttier dem Rudel an. Weibliche Stücke heißen im zweiten Lebensjahr Schmaltier, männliche in ihrem ersten Geweihjahr Spießer.