Damwild (Dama dama) steht in Größe und Lebensweise zwischen Reh und Rotwild — und ist die einzige heimische Schalenwildart mit einem Schaufelgeweih. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und dem Mittelmeerraum; in Mitteleuropa wurde es seit dem Mittelalter in Gattern gehalten und ausgesetzt, sodass es heute in fast allen Bundesländern vorkommt.
Zoologische Zuordnung
Damwild gehört zur Ordnung der Paarhufer und damit jagdlich zum Schalenwild. Innerhalb der Wiederkäuer zählt es zur Familie der Hirsche und dort zur Unterfamilie der Echthirsche, zusammen mit Rot- und Sikawild — das Reh dagegen steht bei den Trughirschen. Jagdrechtlich ist Damwild dem heimischen Wild gleichgestellt, biologisch bleibt es eine eingebürgerte Art.
Aussehen und Verfärben
Das Sommerhaar ist rotbraun und auf Rücken und Flanken weiß gefleckt — kein anderes erwachsenes heimisches Schalenwild trägt diese Flecken. Im Winterhaar wird das Stück graubraun bis dunkel und die Flecken verblassen. Verfärbt wird im Mai und wieder im September und Oktober. Auffällig sind die Farbschläge: neben wildfarbenen Stücken kommen fast weiße und tiefschwarze in denselben Beständen vor. Der weiße Spiegel ist schwarz gerandet, darüber sitzt ein langer Wedel mit dunklem Aalstrich. Ein Geweih trägt nur der Hirsch.
Der Jahreszyklus
Das Damwildjahr läuft später als beim Rotwild: Abgeworfen wird erst Mitte bis Ende April, bei Spießern noch im Mai oder Juni, gefegt wird im August und September. Am Geweih lässt sich der Werdegang eines Hirsches ablesen — vom Spießer über Knieper und Löffler zum Halbschaufler und schließlich zum Schaufler. Außerhalb der Brunft leben Damtiere mit Kälbern in Rudeln, die Hirsche für sich; Damwild zieht sich dabei weniger in die Nacht zurück als Rotwild und ist häufiger am Tag zu sehen.
Das Gebiss
Das Dauergebiss hat in aller Regel 32 Zähne. Grandeln — die Eckzähne im Oberkiefer, die beim Rotwild die Regel sind — fehlen dem Damwild meist; ganz ausgeschlossen sind sie nicht, sie bleiben aber die Ausnahme. Schneidezähne stehen wie bei allen Wiederkäuern nur im Unterkiefer, oben sitzt die Kauplatte. Der Zahnwechsel ist mit etwa zwei Jahren abgeschlossen und damit deutlich früher als beim Rotwild.
Die Brunft
Die Brunft zieht sich von Ende September bis Anfang November, ihren Höhepunkt hat sie in der zweiten Oktoberhälfte — rund einen Monat später als beim Rotwild. Der Hirsch meldet sich mit dem Rölen, einem dumpfen, rülpsenden Laut, der mit dem Röhren des Rothirschs nichts gemein hat. Charakteristisch ist der Brunftplatz: Der Hirsch schlägt ihn frei, markiert ihn und verteidigt ihn gegen Nebenbuhler, und dieselben Plätze werden über Jahre hinweg wieder bezogen.
Jungtierentwicklung
Eine Eiruhe gibt es beim Damwild nicht; die Tragzeit beträgt rund 33 Wochen. Gesetzt wird von Mai bis Juli mit deutlichem Schwerpunkt im Juni, in aller Regel ein Kalb von etwa viereinhalb Kilogramm. Es wird die ersten Tage abgelegt und schließt sich dann mit dem Damtier dem Rudel an. Die Flecken behält es sein Leben lang — anders als beim Rot- und Rehwild, wo sie mit der Jugend verschwinden.