Das Reh (Capreolus capreolus) ist die kleinste und zugleich häufigste Schalenwildart Deutschlands. Für die Jagd zählt weniger die Wildart als das einzelne Stück: Ansprechen, Altersschätzung und der richtige Zeitpunkt ergeben sich aus dem Jahreszyklus, den die folgenden Grundlagen beschreiben.
Zoologische Zuordnung
Rehwild gehört zur Ordnung der Paarhufer und damit jagdlich zum Schalenwild. Innerhalb der Wiederkäuer zählt es zur Familie der Hirsche. Diese teilt sich in zwei Unterfamilien: Das Reh steht bei den Trughirschen, Rot-, Dam- und Sikawild dagegen bei den Echthirschen.
Aussehen und Verfärben
Im Sommer trägt Rehwild ein kurzes, rotbraunes Haarkleid, im Winter ein dichtes, graubraunes. Verfärbt wird zweimal im Jahr: im Mai ins Sommerhaar, im September und Oktober zurück ins Winterhaar. Junge und gesunde Stücke verfärben früher als alte und kranke — ein spät verfärbtes Stück ist deshalb ein Hinweis, kein Zufall. Der weiße Spiegel tritt im Winterhaar deutlich hervor; bei der Ricke ist er herzförmig und trägt die Schürze, beim Bock nierenförmig. Ein Gehörn trägt nur der Bock.
Der Jahreszyklus
Das Rehjahr lässt sich am Gehörn des Bockes ablesen: Abwurf zwischen Oktober und Dezember, Schieben im Winter unter der Bastdecke, Fegen zwischen März und Mai. Alte Böcke werfen früher ab und fegen früher als junge — ein bereits gefegter Bock im März oder April ist deshalb in aller Regel ein älteres Stück. Auf die Blattzeit im Hochsommer folgt der Winter, in dem Rehwild sich zu Sprüngen zusammentut.
Das Gebiss
Das Dauergebiss des Rehs hat 32 Zähne. Im Oberkiefer fehlen die Schneidezähne — wie bei allen Wiederkäuern ersetzt sie eine derbe Kauplatte; auch Eckzähne (Haken) fehlen dem Reh im Gegensatz zum Rotwild in der Regel. Der Zahnwechsel ist etwa im 13. Lebensmonat abgeschlossen: Solange der dritte Vorbackenzahn im Unterkiefer noch dreigeteilt ist, steht ein Kitz oder ein Jährling vor dem Ansitz. Danach ist eine Altersschätzung nur noch über den Zahnabschliff möglich, und die wird mit jedem Jahr unsicherer.
Die Brunft — beim Rehwild Blattzeit genannt
Die Brunft des Rehwilds heißt Blattzeit und fällt in die zweite Julihälfte bis Mitte August. Der Bock treibt die Ricke dabei oft in kreisförmigen Bahnen, den sogenannten Hexenringen. Der Name kommt vom Blatten, dem Nachahmen des Fiepens von Ricke oder Kitz — die Grundlage der Blattjagd. Ricken, die in der Blattzeit nicht beschlagen wurden, kommen im November oder Dezember ein zweites Mal in die Nachbrunft.
Eiruhe und Jungtierentwicklung
Rehwild ist die einzige heimische Schalenwildart mit Eiruhe: Die befruchtete Eizelle entwickelt sich nach der Blattzeit rund viereinhalb Monate lang nicht weiter und nistet sich erst gegen Ende Dezember ein. Die Tragzeit beträgt dadurch insgesamt etwa neuneinhalb Monate, die eigentliche Entwicklung des Kitzes aber nur gut vier. Gesetzt wird im Mai und Juni, meist zwei Kitze. Sie sind Ablieger: gefleckt, nahezu geruchlos und in den ersten Wochen abgelegt, während die Ricke in der Nähe äst und nur zum Säugen zu ihnen kommt.