Das Wildschwein (Sus scrofa) fällt aus der Reihe des übrigen Schalenwilds: Es wiederkäut nicht, frisst so gut wie alles und vermehrt sich schneller als jede andere heimische Schalenwildart. Wer Schwarzwild bejagt, hat es deshalb weniger mit einem festen Jahreszyklus zu tun als mit einer Art, die sich nach dem Nahrungsangebot richtet.
Zoologische Zuordnung
Schwarzwild gehört zur Ordnung der Paarhufer und damit jagdlich zum Schalenwild — aber nicht zu den Wiederkäuern. Es zählt zur Unterordnung der Nichtwiederkäuer und dort zur Familie der Echten Schweine. Als einziges heimisches Schalenwild hat es einen einhöhligen Magen und ist Allesfresser; alles Weitere, vom Gebiss bis zum Verhalten, folgt daraus.
Aussehen und Verfärben
Schwarzwild trägt eine derbe Schwarte mit groben Borsten, im Winter dazu eine dichte Unterwolle, die im Frühjahr abgestoßen wird. Die auffälligste Verfärbung betrifft die Jugend: Frischlinge sind längs gestreift und verlieren die Streifen mit etwa vier Monaten; danach folgt das rotbraune Rötelkleid, aus dem erst nach und nach die dunkle Färbung des erwachsenen Stücks wird. Das Gewaff des Keilers sind die stetig nachwachsenden Eckzähne — unten die Gewehre, oben die Haderer; die Bache trägt nur kleine Haken. Ältere Keiler bilden an den Blättern den Schild aus, eine stark verdickte Schwarte.
Der Jahreszyklus
Ein Geweihzyklus, an dem sich das Jahr ablesen ließe, fehlt hier. Den Takt geben Rausche, Frischzeit und vor allem die Mast: Ein Eichen- oder Buchenmastjahr führt zu deutlich mehr und schwereren Frischlingen als ein schwaches. Schwarzwild lebt in Rotten aus Bachen mit ihren Frischlingen und Überläufern, geführt von der Leitbache; Keiler ziehen etwa ab dem 18. Monat allein und kommen nur zur Rausche dazu. Im Sommer prägen Suhlen und Malbäume das Revierbild.
Das Gebiss
Mit 44 Zähnen hat Schwarzwild das vollständigste Gebiss allen heimischen Schalenwilds — und als einziges auch Schneidezähne im Oberkiefer, wie es sich für einen Allesfresser gehört. Die Eckzähne wachsen beim Keiler lebenslang nach und nutzen sich gegeneinander ab, wodurch die Gewehre scharf bleiben. Der Zahnwechsel ist nach etwa 24 Monaten abgeschlossen; bis dahin lässt sich das Alter am Gebiss recht genau bestimmen, danach nur noch grob schätzen.
Die Brunft — beim Schwarzwild Rauschzeit genannt
Die Brunft heißt beim Schwarzwild Rauschzeit oder kurz Rausche und fällt hauptsächlich in die Monate November bis Januar. Die Leitbache gibt dabei den Takt vor: Sie bringt die Bachen ihrer Rotte weitgehend gleichzeitig in die Rausche, sodass auch die Frischlinge gemeinsam fallen. Bleibt eine Bache unbeschlagen, rauscht sie nach rund drei Wochen erneut. Keiler ziehen in dieser Zeit weit und tragen Kämpfe aus, bei denen der Schild sie schützt.
Jungtierentwicklung
Die Tragzeit merkt sich jeder Jungjäger als „drei Monate, drei Wochen, drei Tage“ — rund 115 Tage. Die Hauptfrischzeit liegt im März und April, gefrischt wird aber praktisch das ganze Jahr über. Die Bache legt dafür einen Wurfkessel an und bringt meist vier bis acht Frischlinge. Entscheidend für die Bestandsentwicklung ist die frühe Geschlechtsreife: Bei gutem Nahrungsangebot werden schon Frischlingsbachen im ersten Lebensjahr rauschig — kein anderes heimisches Schalenwild wächst so schnell nach.